Betriebsgeschichte

Die Geschichte der Spreuermühle lässt sich bis ins Jahr 1408 zurückverfolgen, als sie von einem Ulrich von der Müllj und seinem Sohn bewirtschaftet wurde. Sie gehörte damals noch zur Herrschaft Wädenswil und wurde 1468 als „Spruwelmüly“ in die Zürcher Steuerverzeichnisse aufgenommen.

 

Die Franzosen im Hirzel

Ab 1555 betreiben die Stockers die Mühle, die 1623 abbrannte und wieder aufgebaut wurde. 1755 verunglückte Heinrich Stocker, als  er nach einem „bösen Regenwetter“ das Dach neu eindecken wollte, tödlich. 1757 kaufte Batzenvogt Johannes Haab in den Mühlestaldeen das Haus mit „Schweinestall, Mühle samt Mühlhaus, einer Säge mit Sägehaus, verschiedenen Nebengebäuden, Krautgarten und einer Matte und anderes“ für Rund 11‘000 Gulden. Noch im selben Jahr verkaufte er die Mühle an Landrichter Hans Blattmann weiter, der bereits Eigentümer der Eichmühle war. Dieser übergab sie deshalb seinem Sohn Hans Jakob, der, nachdem er sie 21 Jahre für Vater und Geschwister verwaltet hatte, nach dem Tod des Vaters alleiniger Besitzer wurde. Im Jahre 1785 wurde er Batzenvogt von Wädenswil. Er musste erleben, wie in den Jahren 1798 und 1799 das Gebiet der Gemeinde Hirzel von eindringenden Truppen „feindlich behandelt“ wurde: „Was immer begehrt wird, muss an Speis und Trank und Fourage an sie gegeben und geliefert werden, sonderheitlich auch an den Artilleri-Parc, welche mit 236 Pferden, 2 Tag und 2 Nächt auf freyem Feld in unserer Gemeind gelagert hatt.“

 

Von Blattmann zu Baumann

Diese sechs Tage kosteten die Hirzler Hausväter 1‘549 Gulden, 24 Schilling und 6 Haller, wie die Chronik der „Blattmann aus der Spreuermühle“ berichtet. Doch damit nicht genug, auch das Geschäft mit der Mühle, Säge und Ölen lief in diesen Zeiten nur mässig, und als Hans Jakob Blattmann im Sommer 1813 starb, hinterliess er Frau und sieben Kinder sowie einen Berg Schulden. Die Erben übernahmen schliesslich die verschuldete Spreuermühle, kamen jedoch mehr schlecht als recht über die Runden und versuchten sich neben dem Betrieb von Mühle und Sägerei auch als Viehzüchter. Dazu machte ihnen die Konkurrenz der Mühlen im benachbarten Zug zu schaffen.

Die Brüder Blattmann verkauften die Spreuermühle schliesslich 1833 an Jakob und Johannes Baumann vom Hirzel. Jakob war Mühlenbauer, Johannes Wirt.
Die unternehmenslustigen neuen Besitzer bauten um, errichteten Neubauten und erstellten unterhalb der Spreuermühle eine neue Baumwollspinnerei, die allerdings nie so recht in Schwung kam. Als sie 1871 abbrannte, wurde sich nicht wieder aufgebaut.

 

Tanz- und Speisesaal

Die Brüder Baumann betrieben zudem schon bald eine Wirtschaft und eine Bäckerei. Zur Wirtschaft gehörte ein Tanz- und Speisesaal auf zwei Stockwerken. Durch eine Öffnung im zweiten Stock konnten die Gäste das Geschehen auf der Tanzbühne im unteren Stockwerk verfolgen. Es wird überliefert, dass die damalige Hirzler Doktorfamilie Johann Jakob und Meta Heusser diesen Saal für Familienfeste benutzte und ihre berühmte Tochter Johanna Spyri wohl an der Krichweih, die damals noch in Spitzen stattfand, im Saal mit Schwestern und Freundinnen zum Tanz ging.

 

Sanfte Renovation
Die heutigen Besitzer der Spreuermühle haben den unteren Saal vor einigen Jahren sanft renoviert. Weiss verputzte Wände kontrastieren zum hellblau gestrichenen Täfer, und die diskrete Deckenbeleuchtung passt optimal zu den restaurierten Rosetten. „ Wir haben darauf geachtet, so wenig wie möglich zu verändern“ sagt Willi Hitz und zeigt auf den Riemenboden, der noch in seinem ursprünglichen Zustand erhalten ist. Der Saal bietet heute Platz für rund 80 Personen und wird wieder gerne für Familienfester oder Vereinssitzungen gemietet.
Die Wirtschaft, in der damals nicht zuletzt Pilgerer auf ihrem Weg nach Einsiedeln Rast einschalteten, befand sich zunächst im Gebäude neben dem Tanz- und Speisesaal, wie auf einer undatierten Fotografie festgehalten ist. Er später wurden die Gäste im lauschigen Garten und in den Räumen des heutigen Restaurants, gegenüber dem Tanzsaal, verpflegt.

 

Gemeindewechsel

Der Weiler Spitzen, und damit die Spreuermühle, kam erst 1878 zur Gemeinde Hirzel. Die „Spitzler“ zog es zum Hirzel, weil ihre Muttergemeinde Wädenswil wegen ihrer starken Beteiligung an der damals noch schlecht laufenden Südostbahn, in argen finanziellen Nöten steckte.
Der Mühlebetrieb bestand bis Ende des 19. Jahrhunderts, die Bäckerei wurde bis 1920 betrieben. Wann genau die Mühle abgerissen wurde, ist nirgends festgehalten. Im Zweiten Weltkrieg wurden die eingerosteten Turbinen als Alteisen entsorgt.

Seit 2018 gehört die Gemeinde Hirzel zu Horgen.

 

Generationenwechsel

Am 13. April 1910 kaufte Albert Schärer, der Grossvater des heutigen Besitzers, die Spreuermühle und legte laut Kaufbrief dafür 37‘420 Franken auf den Tisch. Mit seiner aus Deutschland stammenden Ehefrau Meta Peter führte er neben Wirtschaft und Bäckerei den Bauernbetrieb und die Sägerei, die 1947 bei einem Föhnsturm zerstört wurde.
Die Spreuermühle geht 1953 an die Tochter Martha Schärer, die mit Gottfried Hitz, Landwirt aus Hütten, verheiratet ist über. Da die neuen Eigentümer vier Geschwister (Julius, Rosa, Ernst und Robert) auszahlen mussten, blieb kein Geld für den dringend notwendigen Umbau übrig. Einen Kredit erhielten sie von einer Zürcher Bank erst, als eine achtköpfige(!) Delegation aus der Stadt anreiste und das Vorhaben begutachtete.
Seit 1990 führen Willi und Gaby Hitz die Wirtschaft mit Speisesaal und dem dazugehörenden Bauernbetrieb. Jeweils im Frühling und im Herbst findet die weitherum bekannte Metzgete statt. Während der Metzgete wird den Gästen Blut- und Leberwürste, Kotelett, Leberli, Bratwürst und Schüblig aufgetischt.
Gaby Hitz bedauert ein wenig, dass in der Spreuermühle nie ein Gästebuch aufgelegen ist. Zwar lebte 1920 bis 1937 der bekannte Kunstmaler Reinhold Kündig in einem der der Gebäude, bevor er mit seiner Familie in ein eigenes Haus mit Atelier zog. An einen weiteren prominenten Besuch erinnern sich beide: „Vor einigen Jahren musste der Helikopter, der Gunther Sachs nach St. Moritz bringen sollte, ganz in der Nähe notlanden, und so wartete der damals als Playboy bekannte Fotograf in unserer Wirtschaft auf seinen Weitertransport per Auto.“

 

Gut aufbewahrt hat Willi Hitz allerdings jene wertvolle Dokumente und Kaufbriefe, die von wechselvollen Leben auf der Spreuermühle erzählen und dank ihm und seiner Familie eine Fortsetzung erhalten. 

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